Giesbert in der Regentonne

Für alle Leseratten der Lortzingschule - also für alle Kinder!

- gibt es für die Osterferien ein Überraschungsgeschenk.
Ich schenke euch das Lieblingsbuch meiner Kinder! Es heißt "Giesbert in der Regentonne" und wurde von Daniela Drescher geschrieben.
Jeden Tag werde ich für euch ein Kapitel zusammenfassen und ihr könnt es hier auf der Homepage lesen und über die wunderbaren Bilder schmunzeln.
Damit wir auch das ganze Buch schaffen, fangen wir schon an diesem Freitag mit dem ersten Kapitel an.
Da erfahrt ihr wie Giesbert, dem Regenrinnenwicht ein böses Mißgeschick passiert und seine heißgeliebte Flöte zerbricht.... oh weh, oh weh!
Sicherlich werden euch auch die anderen Gartenbewohner mit denen Giesbert zu tun hat schnell ans Herz wachsen, da ist der Kater Munz,
der Holundergeist, Rosalie, die lahme Schnecke und und und. Also kein Kapitel verpassen und täglich mitlesen.
Viel Freude mit meinem Osterferiengeschenk wünscht euch Elisabeth Bergmann aus der Blumenklasse

 Giesbert in der Regentonne


Liebe Lortzing-Lese-Ratten,

holt schon mal die Regenschirme raus! Morgen geht es mit Giesbert los und da gibt es zugleich ein gewaltiges Unwetter mit Regen ohne Ende.....

Zum Glück scheint bei uns die Sonne, also flitzt noch mal schnell draußen vor der Tür herum, bevor unsere Lesereise startet.

Bis morgen, eure Elisabeth Bergmann

Giesbert 


 

Giesbert in der Regentonne Teil 1

Raus aus der Rinne, rein ins Fass

E regnete. Es schüttete. Es goss wie aus Kübeln und die Tropfen prasselten nur so auf unser Hausdach. Sie glucksten die Regenrinne hinunter, sprudelten wie ein kleiner Wasserfall in die Regentonne hinein und schwappten schließlich plätschernd über den Rand. Dabei wurde Giesbert, der Regenrinnen-Wicht einfach aus der Regenrinne heraus durch das Regenrohr und hinein in unser Regenfass gespült. Als es endlich aufgehört hatte zu regnen, bemerkte er, dass seine Flöte bei all dem Herunter- und Hineingeplumpse entzweigebrochen war. Und was ist ein echter Regenrinnen-Wicht ohne Flöte? Das war wie ein Segelschiff ohne Wind, wie Geburtstag ohne Luftballons oder wie eine Sternschnuppe ohne Glück. Da heulte Giesbert laut auf, er weinte bitterlich und wollte fast verzweifeln. "Nun mach doch nicht so ein Geschrei.", brummte der alte Holundergeist, der im Holunderbusch neben der Regentonne wohnte. Er ist bereit eine nigelnagelneue Flöte für Giesbert zu bauen. Der Holundergeist schnitt ein kleines Aststück ab, höhlte es geschickt mit einem Messer aus und schnitzte ein paar Löcher hinein. Genau da, wo sie hingehören. Giesbert war so begeistert, dass er fast vergaß sich zu bedanken. Er spielte eine lustige kleine Melodie und ich konnte sehen, wie der alte Houndergeist dazu ein Tänzchen vor seiner Haustüre wagte.

Kannst du es auch sehen? Bis morgen, da treffen wir ein Rotkehlchen!

Deine Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 2

Das hungrige Rotkehlchen

Das Sonnenlicht tanzte zwischen den Blättern der Apfelbäume und auf den Blumen. Irgendwo im Garten gurrte eine Ringeltaube leise ihr Nachmittagslied. Giesbert saß auf dem Rand seiner Regentonne, als ihm einfiel wie groß sein Hunger war. Auch das kleine Rotkehlchen das bei ihm saß hatte großen Hunger. "Gestern hat mich der Kater gejagt und nun ist mein linker Flügel etwas lahm. Für´s Mückenfangen bin ich jetzt viel zu langsam.", sprach es kummervoll. Da wollte Giesbert sofort helfen. Er nahm den Kescher, der an der Wand lehnte und schwang ihn hin und her, denn genau über seinem Kopf schwirrten ja die Mücken. Er ruderte mit den Armen, kletterte auf Blumentöpfe, stieg auf die Gießkanne, stieß den Rechen um, trat gegen eine Schaufel, stolperte und rannte gegen einen alten Eimer. Giesbert erschrak denn da saß genau der Kater, der das Rotkehlchen gejagt hatte. Aber der Kater war sehr gutmütig und bot ihm von seiner Milch an, denn das Knurren von Giesberts Magen war nicht zu überhören. Er schob ihm mit der Pfote die Schale voll frischer, süßer und rahmiger Milch unter die Nase. Als Giesbert satt war fiel ihm wieder das Rotkehlchen ein. "Ein Freund von mir ist auch hungrig", sagte er tapfer. "Hättest du vielleicht noch etwas zu knabbern, das ich in meine Taschen stecken und ihm mitbringen könnte?" Da zeigte ihm der Kater den alten Schuppen und dort fand er doch tatsächlich eine offene Packung Vogelfutter von dem er sich beide Hosentaschen vollstopfte. Bald schon war auch das Rotkehlchen satt und kräftig und sein Flügel kein bißchen mehr lahm.

Gab es bei dir heute auch was Leckeres? Morgen lernen wir den Kater Munz  besser kennen.

Deine Frau Bergmann

 

 

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Giesbert in der Regentonne Teil 3

Nasser Kater

Kater Munz wohnt schon sehr lange bei uns und ist sehr alt. Wäre er ein Mensch wäre er ein Ururgroßvater, mindestens. Er hat viele Lieblingsplätze, einer davon befindet sich auf einem Holzstapel, der geschützt an der Hauswand lehnt, nicht weit von Giesberts Regenfass entfernt. Dort streckte sich Kater Munz voller Wohlbehagen in der Sonne aus. Zur gleichen Zeit übte Giesbert von seiner Regentonne aus Wasserweitspucken. Nicht immer traf er sein Ziel, etliche Wasserspritzer gingen daneben und manchmal landeten sie auch auf dem Pelz des Katers. Giesbert wusste das der Kater zwar manchmal ein bißchen brummig war und auch hin und wieder Vögel und Mäuse erschreckte, in Wirklichkeit aber keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Nachdem der Kater aber ein drittes Mal getroffen wurde und Giesbert so richtig in Schwung kam und jubelte, wurde es selbst dem Kater zu bunt. Seine Augen verengten sich grimmig und er machte einen enorm großen Buckel. Jetzt erst bemerkte Giesbert, dass der Kater wirklich ärgerlich war, sehr sogar. Da machte Munz auch schon einen Satz über die Holzscheite und balancierte den Gartenschlauch entlang. Dann sprang er auf eine Holzkiste und von dort auf den Rand der Regentonne. Doch er geriet ins schwanken, taumelte, torkelte, maunzte kläglich und fiel in das Regenfass hinein. "Hilfe!", schrie er. "Hilfe, ich ertrinke!" Da fasste sich Giesbert ein Herz und packte den Kater an seiner Pfote. Er zog ihn, so fest er konnte, mit aller Kraft aus dem Wasser heraus und purzelte mit ihm hinunter ins weiche Gras. Munz schüttelte sich das Wasser aus dem Fell und der Regentonnen-Wicht wurde davon gleich noch mal so nass. Da lachten die beiden und Giesbert kletterte mit Munz erleichtert auf die Holzkiste und erholte sich von dem Schrecken.

Na das ging ja noch mal gut. Aber morgen geht es Giesbert nicht so gut.

 

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Giesbert in der Regentonne Teil 4

Giesbert hat Husten

"Oh, weh... oh weh... oh weh...", jammerte der Wicht in unserer Regentonne. "Ich fühle mich ganz schwach und schwummerig." Er hustete und schniefte und seine Backen glühten. Er hatte Fieber. Das Wasser im Regenfass war wohl einfach noch zu kalt und so hatte er sich schnurstracks eine Erkältung geholt. Ich wickelte ihn in eine Puppendecke ein, auch einen passenden Schal fand ich für ihn, denn Halsweh hatte er ja auch. Ich bereitete ihm in einer Puppentasse Holundertee mit Honig und schon bald darauf war das Fieber verschwunden. Aber der Husten blieb. Also machte ich ihm Zwiebelsirup, Malventee und Thymianwickel, aber Giesbert hustete und hustete. Sogar zum Flötespielen war er zu schwach - es war scheußlich. Das sprach sich natürlich schnell herum in unserem Garten. Das Rotkehlchen sagte es der Maus, die sagte es dem Igel, der sagte es dem Kater Munz, der sagte es der Schnecke und die sagte es dem Wegerich und dem Huflattich. Das war ein Glück, denn die beiden hatten genau die richtige Medizin. Sie gaben der Schnecke einen Beutel voller Spitzwegerich- und Huflattichblätter mit. Den gab sie an Munz weiter, der gab ihn dem Igel, der gab den Beutel der Maus, die gab ihn dem Rotkehlchen und dieses brachte ihn schließlich zu uns. Mit den Blättern setzte ich für Giesbert einen Tee mit viel Honig auf und am nächsten Tag war der Husten verschwunden.

Der Huflattich ist große Klasse!

Vom Kraut ein bißchen in die Tasse,

ebenso vom Wegerich -

und das alles nur für mich!

Der Husten geht, die Sonne lacht,

ihr habt mich - Schnips - gesund gemacht.

So dichtet Giesbert, fällt dir auch ein Heilesprüchlein ein?

Bis morgen, deine Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 5

5. Kapitel

Rosalie, die lahme Schnecke

Neulich war in unserem Garten ganz schön was los. Giesbert hatte ein Schneckenwettkriechen organisiert und alle großen und kleinen Schnirkelschnecken zu uns in den Garten eingeladen.  Im Gemüsebeet unter den tellergroßen Kürbisblättern hatte er eine Rennstrecke eingerichtet. Den Start hatte er mit Blumen markiert und im Ziel lag eine schöne reife Erdbeere - für den Sieger. Dem schüchternen Kürbiszwerg war das alles ganz und gar nicht geheuer, denn er hatte Sorgen um seine Kürbispflanzen. Inzwischen hatten sich alle Schnecken versammelt und drängelten sich an der Startlinie: Baumschnecken, Bänderschnecken, Weinbergschnecken. Auch Rosalie aus unserem Garten war dabei. Sie ist sicher die größte Schnecke von allen ihr Haus ist beinah so groß wie ein Pfirsich. Giesbert blies auf seine Flöte einen Tusch und ganz langsam begannen die ersten Schnecken sich in Bewegung zu setzten. Es wurde geschmatzt und geschnauft, gestöhnt und geschlurft und dennoch gelang es allen vom Fleck zu kommen. Allen, bis auf Rosalie. Giesbert feuerte sie an und drückte und schob sie mit aller Kraft vorwärts. Aber es hatte keinen Sinn, sie rührte sich nicht von der Stelle. "Ach, lass mich doch in Ruhe", jammerte Rosalie. "Ich bin und bleibe eine lahme Schnecke!" Sprach´s, verkroch sich in ihr Haus und von drinnen hörte Giesbert sie maulen. Giesbert verstand die Welt nicht mehr. Inzwischen hatte es eine kleine Hainbänderschnecke als Erste ins Ziel geschafft, und der Kürbiswicht überreichte ihr die große, reife Erdbeere. Es wurde gejubelt und gefeiert und es war für alle ein vergnüglicher Nachmittag. Für alle, bis auf Rosalie. Am Abend klopften Giesbert und der Kürbiszwerg vorsichtig an Rosalies Haus. Sie hatten Radieschen dabei, Rosalies Lieblingsgemüse. Aus einem Riedieschen wurden vier und so ging der Tag für Rosalie doch noch gut zu Ende.

Tja, es können eben nicht alle schnell sein. Morgen hören wir von einem Übeltäter.

Eure Elisabeth Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 6

6. Kapitel

 Ein ungehobelter Bursche

Blumentöpfe lagen in Scherben, die Gieskanne war umgekippt, der Rechen umgefallen.Und aus dem Kompost flogen in hohem Bogen Bananenschalen, Apfelbutzen und anderes altes Obst und Gemüse.  Irgendjemand wütete in unserem Garten und Giesbert war in heller Aufregung. So schnell er konnte sauste er zum Kompost, aber der Übeltäter war schon verschwunden. Da entdeckte Giesbert das auch sein Abendbrot, sein heißgeliebtes Schnittlauchbrot angeknabbert war. Er sah den Dieb - es war ein Waschbär! Giesbert war entsetzt und schimpfte lauthals, der Waschbär aber rülpste nur gut vernehmlich und verschwand zwischen Ästen und Blättern. So trottete Giesbert durch den Garten zurück zu seiner Regentonne. Er traute seinen Augen nicht, der Waschbär plantschte dort genüßlich als Giesbert ankam. Was für ein schrecklicher Abend! Das freche Tier machte keinerlei Anstalten diesen Platz zu verlassen. Alle Regenrinnenwichte können, wenn sie richtig wütend sind, jedes Wasser in ihrer Nähe zum Überlaufen bringen. Genau das passierte an diesem Abend zum ersten mal. Das Wasser in der Regentonne stieg höher und höher und schließlich schoss es wie ein Springbrunnen in die Luft. Und mit ihm der Waschbär. Da kreiselte er nun rücklings auf dem Wasserstrahl und wusste nicht, wie ihm geschah. Der Waschbär bettelte runter gelassen zu werden, ihm wurde Angst und Bange. Giesbert verlangte viel: er musste versprechen sich zu bessern, die Regentonne zu verlassen und den Garten wieder in Ordnung zu bringen. "Also gut", sagte Giesbert erleichtert und im gleichen Moment wurde die Wasserfontäne schwächer, bis schließlich nur noch ein kleiner Wasserstrahl vor sich hin plätscherte. Der Waschbär konnte erschöpft aus der Tonne klettern und endlich wieder festen Boden unter seinen Pfoten spüren. Am nächsten Morgen war der Waschbär fort und Giesbert wunderte sich noch eine ganze Weile über seine neu entdeckte Fähigkeit.

Tja, mit Wasser kennt sich Giesbert aus. Morgen übertreibt er es aber ein wenig.

Eure Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 7

Kapitel 7

Überschwemmung bei den Mäusen

Giesbert liebt es mir beim Gießen zu helfen. Manchmal allerdings ist er so übereifrig, dass es zu regelrechten Überschwemmungen kommt und die Wohnungen einiger Gartenbewohner volllaufen bis zu den Fenstersimsen. Als er neulich das Blumenbeet gegossen hat, liefen die unterirdischen Gänge der Mäusewohnung voll und das war fürchterlich. "Meine Kinder!", rief die Mausmutter voller Herzensnot. "Meine Kinder sind noch drin, sie werden ertrinken!" Giesbert wurde vor Schreck gespensterbleich. Kurzentschlossen schnappte er sich eine Schaufel und begann zu buddeln, zu schaufeln und zu graben, dass Erdklumpen und Blumen in hohem Bogen kreuz und quer durch den Garten flogen. Und dann endlich war er bei den vier Mauskindern angelangt. Sie lebten!! Sie fiepten vor Freude als sie ihre Mutter sahen und Giesbert setzte sich erschöpft aber sehr erleichtert daneben. Da fiel ihm ein, dass sie ja nun gar kein Zuhause mehr hatten. Die Kleinen konnten natürlich nicht ungeschützt im Freien bleiben. Also holte Giesbert eine Schachtel aus dem Schuppen, füllte sie mit Erde, Stroh und frischem Gras und brachte sie der kleinen Familie. Die Mausmutter öffnete ihr großes Herz und verzieh Giesbert, schließlich hatte er ja nicht mit Absicht ihre Wohnung zerstört. Sie zog mit ihren Kleinen in die hübsch gerichtete Schachtel ein. Inzwischen war es bereits dunkel geworden. Giesbert spielte auf seiner Holunderflöte ein Gutenachtlied für die Mäusekinder, die sich gerade in ihre Grasbetten gekuschelt hatten. Und der Mond sah auf sie herab, groß und freundlich.

 

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Giesbert in der Regentonne Teil 8

Liebeskummer

Jeden Tag saß Giesbert auf dem Rand der Regentonne und hielt Ausschau nach der wunderhübschen Elfe Gisela, die er ein einziges Mal zwischen den Blumen in unserem Garten gesehen hatte. Jeden Tag hoffte er aufs Neue und jeden Abend war er enttäuscht, wenn sie wieder nicht gekommen war. So ging es eine ganze Weile und Giesbert wurde blass und elend. Er hatte keinen Hunger mehr und spielte auch nicht mehr auf seiner Flöte. Er schlich auf einsamen Pfaden durch unseren Garten und wollte mit niemandem sprechen. Doch eines Tages sah er sie tatsächlich wieder: Gisela! Sie sang ein herrliches Lied. Aber es handelte von ihrer Liebe zu einem Anderen. Da wollte er fast verzweifeln vor Liebeskummer, und begann leise aber bitterlich zu schluchzen. "Gisela liebt mich nicht, und jetzt ist mein Herz gebrochen, buhuu-buhuu-buhuu." Da sprach ihn der Igel Erich an. Sie sprachen über diesen großen Kummer, denn Erich wusste genau was Giesbert erlebte. Und Giesbert weinte sich aus. Dann begann Erich eine fröhliche Melodie zu pfeifen und dazu zu tanzen. Giesbert staunte. Es war als wollten seine Finger selbst mittanzen und schon hüpften sie lustig über die Flöte und Giesbert spielte zu der Melodie, die der Igel pfiff. Nach und nach spitzten auch die anderen Gartenbewohner ihre Ohren. Sie kamen aus allen Winkeln des Gartens und begannen ebenfalls mitzutanzen und die Grillen zirpten überschwänglich. So ging es eine ganze Weile, da merkte Giesbert, wie glücklich er wieder war, und wie sehr ihm das Spielen auf seiner Flöte gefehlt hatte. Er merkte auch wie groß sein Hunger plötzlich war, und so gab es zu guter Letzt auch noch ein extra großes Schnittlauchbrot.

Tja, mit der Liebe ist das so eine Sache....

Bis morgen, eure Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 9

Kapitel 9

Besuch aus Nachbars Garten

Eines Tages watschelte ein seltsames Tier durch unseren Garten.  Es sah aus wie eine Flasche auf zwei Beinen. Giesbert planschte gerade in seinem Regenfass und davon wurde das Tier angelockt. Es war eine Laufente. So jemanden hatte Giesbert noch nie getroffen und er wurde neugierig. "Ich wohne am großen Weiher und der ist viel, viel größer als dieser Wassereimer hier, in dem du wohnst." Giesbert war empört. "Mein Weiher ist jedenfalls so groß, dass du vor lauter Wasser das andere Ufer kaum siehst." Giesbert versuchte sich das vorzustellen, aber es gelang ihm nicht.  Die Laufente ärgerte ihn, aber er wurde auch immer interessierter. Er wurde von ihren Beschreibungen und dem Gedanken an so viel Wasser angezogen, wie Eisen von einem Magneten. Als sie ihm den Rücken kehrte und durch das hohe Gras und die Blumen davon watschelte, war er aufgewühlt. Er liebte seine Regentonne, aber wollte auch sooo gerne das große Wasser sehen, von dem sie gesprochen hatte. Giesbert sauste der Ente hinterher, schlüpfte durch das Loch im Zaun, über die große Wiese des Nachbarn - und dann sah er es! Wasser! So weit das Auge reichte! Giesbert tauchte ein und paddelte weit hinaus. Der Wind rauschte in den Binsen ringsum, Mücken tanzten über den Teichmummeln, und silberne Fische tauchten unter seinem Bauch hindurch und kitzelten ihn mit ihren Flossen. Das alles verzauberte Giesbert, und er bemerkte gar nicht, wie der Abend zur Nacht wurde und der nächste Tag begann. Die Laufente schwärmte ihm noch immer vom Weiher vor, doch da bemerkte Giesbert das er seine Regentonne vermisste. Er vermisste ihren Geruch nach Moos, er vermisste die Blumen, er vermisste die Holzkiste, auf der man am Abend noch ein Sonnenbad nehmen konnte, das Gezwitscher des Rotkehlchens, das Gesumme der Bienen und den alten Kater Munz. So entschloss er sich nach Hause zurück zu kehren und er sauste durch die Wiese des Nachbarn zurück, schlüpfte durch das Loch im Zaun, hüpfte durch das Gras kletterte auf die Regentonne hinauf und sprang - Platsch! - hinein. War das ein Glück!

Wie schön, wenn man zu Hause ist!

Deine Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 10

Kapitel 10

Der Kampf mit dem Gartenschlauch

Du weißt ja, dass ein Regenrinnen-Wicht jedes Wasser zum Überlaufen bringen kann, wenn er nur wütend genug ist. Giesbert aber war der Meinung, dass ihm das gelingen müsste, wann immer er wollte. Also setzte er sich auf den Rand seiner Regentonne und konzentrierte sich- aber nichts passierte. Er konzentrierte sich so sehr, dass sein Kopf rot anlief, und plötzlich geschah tatsächlich etwas. Der Gartenschlauch, der bis dahin zusammengerollt an der Hauswand hing, fing an, sich zu bewegen. Er ruckte und zuckte, er schlingelte und schlängelte sich, und dann blähte sich das vordere Ende auf wie der Kopf einer Kobra. Giesbert sprang erschrocken von seiner Tonne herunter und hopste hinter ihm her. Der Gartenschlauch robbte in Wellen vorwärts wie eine Raupe, dann wieder kringelte er sich wie eine Blindschleiche zusammen und immer dann wenn Giesbert ihn beinahe zu fassen bekam, glitt er geschmeidig davon. Da wurde Giesbert so richtig wütend. Aber den Gartenschlauch kümmerte dies nicht. Er wurde dick und prall, und plötzlich fing er an, sich zu winden und dabei wild um sich zu spritzen. Der Wasserstrahl war so heftig, dass er den Regenrinnen-Wicht glatt umwarf. Er verschluckte sich an dem Wasser, das der Schlauch ihm ins Gesicht spritzte und Giesbert war vor Wut den Tränen nahe. Da schließlich begann auch das Wasser in der Regentonne zu steigen, bis es als gewaltige Fontäne hoch in die Luft schoss. Da bekam der Gartenschlauch einen solchen Schreck, dass er sich ganz schnell selbst wieder aufwickelte und keinen Mucks mehr tat. Giesberts Groll verflog schnell, und das Wasser in der Tonne konnte sich wieder beruhigen.

Ja, eine kleine Abkühlung wäre jetzt auch nicht schlecht - FROHE OSTERN Eure Frau Bergmann

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Giesbert in der Regentonne Teil 11

 

Kapitel 11

Froschkonzert

Giesbert saß auf dem Rand seiner Regentonne und spielte auf der Flöte, die er vom alten Holundergeist geschenkt bekommen hatte. Es war eine wunderschöne Melodie, die ihm da gerade so in den Sinn gekommen war, und sie schlängelte sich durch den Garten wie der Duft der Kräuter, die im Kräuterbeet blühten. Die Töne tanzten durch den Garten, den Weg entlang und weiter über den Zaun des Nachbarn bis hin zum großen Weiher. Dort hörte sie ein Frosch, und er folgte ihnen - Patsch! - unter dem Zaun hindurch - Patsch, patsch! - unseren Gartenweg entlang - Patsch! - die Holzkiste hinauf und auf den Rand der Regentonne - Patsch!. Giesbert ließ vor Schreck beinahe seine Flöte ins Wasser fallen. Der Frosch machte es sich neben Giesbert bequem und blähte seine Backen auf wie zwei Kaugummiblasen, sodass der Wicht fürchtete, sie würden platzen. "Bist du Musikant?", quakte der Frosch laut. Giesbert nickte zögerlich. "Ach, wie wunderbar, quak", sagte der Frosch. "Endlich jemand, der mich begleiten kann, wenn ich meinen Gesang zum Besten gebe, quak. Die Frösche am Weiher haben nämlich vom Musizieren nicht die geringste Ahnung, quak." Giesbert wollte wieder etwas sagen, aber der Frosch kam ihm erneut zuvor. "Oh, ich bitte um Verzeihung, quak. Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt, quak. Ich bin natürlich kein Frosch, quak, ich bin ein Prinz, quak. Aber das brauchen die anderen nicht zu wissen, sie würden es eh nicht verstehen." Giesbert staunte. Der Frosch blies erneut seine Backen zu zwei riesigen Blasen auf. "Ich werde nun mit meiner wunderschönen Stimme etwas singen, und du hast die Ehre, mich dazu auf deiner Flöte begleiten zu dürfen." Der Sänger begann ein ohrenbetäubendes Gequake, und Giesbert bemühte sich redlich, ihn mit einer hübschen kleinen Melodie zu begleiten. Doch ganz plötzlich verstummte der Prinz. Eine Fliege flog an ihm vorbei. Er schnalzte mit seiner langen Zunge nach ihr, verfehlte sie knapp und hüpfte ihr, ohne sich von Giesbert zu verabschieden, hinterher - Patsch! - von der Regentonne herunter und - Patsch, patsch! - den Gartenweg entlang - Patsch, patsch, patsch! - dann war er verschwunden. Giesbert schüttelte verwundert den Kopf.

Spielst du auch ein Instrument? Oder ist die Stimme dein Lieblingsinstrument?

Deine Frau Bergmann

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